Die Ersterwähnung von Zusenhofen im Reichenbacher Schenkungsbuch
Längere Zeit wurde übersehen, dass Zusenhofen bereits im Reichenbacher Schenkungsbuch erwähnt ist. So wurde in der Ausgabe von 1858 zum Eintrag "Vzzenhofen" noch vermerkt: "in die Nähe von Oberkirch gehörig". Zum zweiten Eintrag "Ozenhovven" wurde gar "Ottenhöfen?" erwogen. Seit Albert Kriegers "Topographischem Wörterbuch" von 1905 werden die beiden Einträge jedoch eindeutig Zusenhofen zugeordnet. Seltsamerweise wurde dabei jedoch die Reihenfolge vertauscht, d. h. der spätere Eintrag erscheint als erster. Dies wurde häufig übernommen.
Kloster in Klosterreichenbach Das so genannte "Reichenbacher Schenkungsbuch" wurde im Kloster Reichenbach von Mönchen im damals üblichen mittelalterlichen Latein verfasst. Das Kloster war im Jahr 1082 im oberen Murgtal als Priorat des Mutterklosters Hirsau gegründet worden (heute Klosterreichenbach, Gemeinde Baiersbronn, Kreis Freudenstadt). Das Buch ist in zwei Fassungen aus dem Hochmittelalter überliefert. Die ältere Fassung wurde erstmals 1997 vollständig veröffentlicht, während die jüngere und umfangreichere bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts gedruckt zur Verfügung steht.
Die ältere Handschrift befindet sich heute im Kloster St. Paul im Kärntner Lavanttal (Österreich). Sie wurde größtenteils zwischen den Jahren 1099 und 1105 angelegt, doch reichen die letzten Einträge bis in das Jahr 1152 hinein. In dieser Fassung ist keine Eintragung zu Zusenhofen enthalten. Trotzdem ist diese Handschrift auch für Zusenhofen von Belang, da sie diejenigen Stellen enthält, bei denen in der späteren Fassung die Ergänzungen zu Zusenhofen eingefügt sind. Außerdem lässt sich auf diesem Wege feststellen, dass die Zusenhofener Schenkungen erst nach 1105 getätigt wurden. Denn diese Passagen wurden in der Zeit von 1099 bis 1105 niedergeschrieben.
Maßgebend für Zusenhofen ist also die Stuttgarter Fassung, die aktualisierte "Neuausgabe" einer älteren, rund 50 Jahre zuvor angelegten Handschrift. In dieser sind gleich 2 Einträge zu finden.
Der Herausgeber des Reichenbacher Schenkungsbuches, Dr. Stephan Molitor, erstellte ein Gutachten zur genauen zeitlichen Bestimmung dieser 2 Einträge von Zusenhofen:
Im ersten Eintrag geht es um die Schenkung einer Hufe in Zusenhofen ("Vzzenhofen", zu lesen: "Uzzenhoufen"). Der genaue Zeitpunkt der Schenkung selbst ist nicht feststellbar, man könnte eine Zeit um 1120/1130 vermuten. Besser eingrenzen lässt sich aber der Zeitpunkt der Eintragung in das Buch. Dazu lässt sich ein Hinweis aus einem folgenden Kapitel verwenden, der von demselben Schreiber formuliert ist.
Dort heißt es nämlich, dass der regierende König Konrad noch nicht Kaiser sei. Daher ergibt sich als frühester Zeitpunkt das Jahr des Regierungsantritts Konrads III., also 1143. Der späteste Zeitpunkt lässt sich aus der Angabe "noch nicht Kaiser" ableiten: Da Konrad III. am 15. Februar des Jahres 1152 starb, ohne zum Kaiser gekrönt worden zu sein, kann man folgern, dass die Eintragung zu Lebzeiten des genannten Königs, also zwischen 1143 und 1152 vorgenommen wurde.
Als Datum für die schriftliche Ersterwähnung von Zusenhofen lässt sich demnach das Jahr 1152 angeben. Denn mit Bestimmtheit kann gesagt werden, dass spätestens in diesem Jahr der Ortsname Zusenhofen erstmals in schriftlicher Form festgehalten wurde. Der 15. Februar des Jahres 1152 (Todestag von Konrad III.) ist somit der Zeitpunkt, der urkundlich einwandfrei belegt werden kann, obwohl die genannte Zeitspanne weiter zurück reicht. Somit besitzt Zusenhofen nach Nussbach die zweitälteste Urkunde des Renchtals.
Über das eigentliche Alter des Ortes ist damit jedoch noch nicht viel ausgesagt (siehe dazu auch die Rubrik "Gründung").
Erster Eintrag im Reichenbacher Schenkungsbuch
Erster Eintrag im Reichenbacher Schenkungsbuch
Der Pfeil deutet auf die Textstelle, die Zusenhofen betrifft
Die erste Zusenhofen betreffende Textstelle lautet übersetzt folgendermaßen:
"Der oben genannte Rudolf von Winterbach und sein Bruder, der Laienbruder Walecho, vermachten dem Hl. Gregor zwei Hufen im Sumpfbebiet bei Renchen. Der Laienbruder Sigbot, der Sohn ihrer Schwester von Bondorf, gab eine Hufe in Zusenhofen."
Zur Person des schenkenden Sigbot ist nahezu nichts bekannt. Er taucht lediglich nochmals in beiden Handschriften im Zusammenhang mit weiteren Schenkungen auf, so in Besenfeld (Seewald, Kreis Freudenstadt) und in einem "Hartbrehteswilare", das bisher noch nicht ermittelt werden konnte. Auch in einer Liste des Reichenbacher Konvents ist dieser Sigbot nicht aufzufinden. Zwar verzeichnet das Mutterkloster Hirsau im Jahr 1126 einen Laien dieses Namens, jedoch ist nicht gesichert, ob dies dieselbe Person ist.
Der Gegenstand der Schenkung ist eine Betrachtung wert. Sigbot vermachte eine Hufe, auch Hube genannt. Dieses alte deutsche Flächenmaß bezeichnete früher die Ausdehnung eines Gebiets, das eine Familie bearbeiten konnte und dessen Ertrag für ihre Ernährung ausreichte. Im alemannischen Gebiet bezeichnete man einen halben Hof als Hube. Die genaue Größe einer Hufe hing natürlich stark von der Qualität des Bodens ab und war daher auch in jeder Gegend unterschiedlich. Sie reichte von 70.000 bis 250.000 Quadratmeter. Eingeführt wurde diese Einteilung des Ackerbodens von den Franken, die sie ihrerseits in Gallien (Frankreich) kennen gelernt hatten. Rechts des Rheins bürgerte sie sich ab Anfang des 8. Jahrhunderts allmählich ein. Die Hufe bzw. Hube war das Gut eines abhängigen Bauern, von einer gewissen einheitlichen Größe und Zusammensetzung und mit bestimmten Abgaben und Diensten an den Herrn. Die Inhaber der betreffenden Landgüter nannte man "Huber". Diese Bezeichnung ist in der Form des häufigen Familiennamens Huber heute noch erhalten. Auch der Begriff "Hube" ist als Flurname in Zusenhofen erhalten geblieben; noch heute heißt ein Gewann westlich des Ortes "In der Hub". In einem Neuensteiner Lehensbrief von 1481 ist sogar von einem "Hof in der Hube" zwischen Einträgen von Weißenbach und Zusenhofen die Rede. Ob es sich bei der Hube aus der Ersterwähnung allerdings gerade um diese gehandelt hat, lässt sich nicht belegen.
Der zweite Eintrag Zusenhofens im Reichenbacher Schenkungsbuch ist von anderer Hand geschrieben und nur grob gegen Ende des 12. Jahrhunderts einzuordnen. Seit der zeitlich vertauschten Einordnung im "Topographischen Wörterbuch" Kriegers wird diese Stelle häufig als erste angeführt. Dabei hätte sich dies schon durch einen Blick auf die Seitenzahlen vermeiden lassen. Die Übersetzung des Eintrags lautet folgendermaßen:
"Dieser Ritter namens Berthold von Ehingen, Ministerialer des Herzogs Welf, ... vermachte jenseits des Schwarzwaldes eine Wiese in Renchen und ein Gut in Zusenhofen."
Zweiter Eintrag im Reichenbacher Schenkungsbuch Zweiter Eintrag im Reichenbacher Schenkungsbuch
Zweiter Eintrag im Reichenbacher Schenkungsbuch
Der Pfeil deutet auf die Textstelle, die Zusenhofen betrifft
Über den zweiten Stifter Berthold ist etwas mehr als über Sigbot aus der ersten Schenkung bekannt: Berthold stammte aus Ehingen, das als Ortsteil in die Stadt Rottenburg am Neckar, Kreis Tübingen, eingemeindet wurde. Als Ministerialer war Berthold Vasall von Herzog Welf VI, dem Ehemann der Gründerin des Klosters Allerheiligen Uta von Schauenburg; er verstarb 1191. Man kann daher annehmen, dass dieser Eintrag in der Nähe dieses Jahres vorgenommen wurde. Als Ministerialer gehörte er der Oberschicht unfreier, aber ritterlich lebender Dienstleute an. An derselben Stelle werden noch zwei weitere Schenkungen desselben Stifters Berthold aufgeführt: ein Gut in Renfrizhausen, heute zur Stadt Sulz am Neckar im Kreis Rottweil gehörig, und eine Hufe in Remmingsheim, das heute zu Neustetten im Kreis Tübingen gehört. Das in Zusenhofen vermachte Gut ist als kleiner einzustufen als die Hufe aus der ersten Erwähnung. Auch hier können nähere Ortshinweise nicht mehr erschlossen werden.
(Karl Ebert)