Die wahrscheinliche Gründung von Zusenhofen
Die Ersterwähnung Zusenhofens im Reichenbacher Schenkungsbuch, die vor mindestens 850 Jahren stattfand, ist keine Gründungsurkunde. Das bedeutet also, dass der Ort früher entstanden ist, hierfür aber (noch) keine Belege vorliegen. Das ist für diese frühe Zeit aber der Normalfall. Auch der älteste Ort der Region - Urloffen - kann als Ersterwähnung nur ca. 900 Jahre in derselben Quelle nachweisen, obwohl man dort im Jahr 1980 Frankengräber fand, die 1300 Jahre alt sind. Es besteht somit eine nicht mit Urkunden belegte Lücke in der regionalen Siedlungsgeschichte von bis zu 400 Jahren.
Für die Eingrenzung des Alters von Zusenhofen ist festzuhalten, dass der Ort wahrscheinlich im 7. oder 8. Jahrhundert entstanden ist. Dabei sind folgende Gesichtspunkte zu berücksichtigen:
  • Der Ort grenzt direkt an die beiden ältesten Orte der Landnahme vor ca. 1.300 Jahren: Urloffen und das in diesem aufgegangene Rüchelnheim. Die Entfernung der Siedlungskerne beträgt etwa 2-3 km.
  • Zwischen Zusenhofen und Urloffen finden sich beiderseits des Stangenbaches die besten Böden der ganzen Region. Dadurch bestand eine natürliche "Anziehungskraft", nach Osten zu siedeln. Die nördliche Seite bestand allerdings bis weit in die Neuzeit hinein aus Wald, so dass nur die südliche Seite in Frage kommt.
  • Auf der Südseite führte die älteste Straße des Renchtals von Urloffen über Zimmern nach Zusenhofen und weiter entlang des Stangenbaches in Richtung Müllen. Falls es die in diesem Bereich vermutete römische Stichstraße tatsächlich schon gab, hätten die neuen Siedler ihr nur 2 km weit zu folgen brauchen.
  • Durch den Namen "Freiwald" und den früheren "Oberen Holzweg" ist eine Verbindung zu Zimmern erkennbar und damit zum "Wald der Freien Leute" des Zimmerer Waldbriefs.
  • Im Ort selbst finden sich verschiedene Hinweise auf frühe fränkische Siedler.
  • Der heutige Stangenbach war in frühester Zeit bis vor etwa 200 Jahren ein Seitenarm der Rench, einige alte Karten führen ihn sogar als Hauptarm. Damit war auch eine kleine Wasserstraße vorhanden, zumindest in den regenreichen Jahreszeiten. Da in den frühen Epochen selbst kleinste Bäche genutzt wurden, bot sich hier ein weiterer Anreiz für diesen Siedlungsweg.
  • Die Ortsnamenforschung ordnet Orte mit der Endung auf "-hofen" im alt besiedelten Gebiet einhellig in den frühen Ausbau in der Merowingerzeit ein. Hierbei wird auch Zusenhofen namentlich aufgeführt.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die erste Besiedlung Zusenhofens von Urloffen/Zimmern her statt gefunden haben muss. Das bedeutet gleichzeitig, dass keine Besiedlung von Nußbach her anzunehmen ist. Für diese bisher gängige Behauptung lassen sich nur wenig Aspekte finden. Schon die Feststellung, dass Nußbach vermutlich während des späten Ausbaus in der Karolingerzeit entstanden ist, widerspricht den Argumenten zur Entstehung der "-hofen"-Orte in der (früheren) Merowingerzeit. Das Ergebnis der Ortsnamenforschung kann auch der Laie leicht nachvollziehen: Namen wie Nußbach, Grünberg oder Tiergarten bezeichneten zunächst keine Siedlungen, sondern sie wurden von bereits besiedelten Nachbarorten vergeben. Ortsnamen wie "Urloffen" (aus Urlufheim = Heim des Urlef) oder "Zusenhofen", das aus "Hof des Uzzo" entstanden ist, enthalten dagegen einen Hinweis auf eine ursprüngliche Besiedlung.
(Karl Ebert)