Die Bedeutung des Ortsnamens "Zusenhofen"
Der Name eines Ortes kann viel über seine Geschichte aussagen. Dies ist auch bei Zusenhofen der Fall. Aber vor allem wegen der Verwechslungen gab der Name bis in die Gegenwart hinein immer wieder Rätsel auf. Im Ort selbst ist die Deutung "Zu den Höfen" allgemein verbreitet. Hierbei ging man einfach von der heutigen Schreibweise aus und suchte nach einer möglichst nahe liegenden Auslegung. Schon 1895 erwähnte der einheimische Hauptlehrer Schultheiß diese Deutung, ohne sie aber zu übernehmen. In örtlichen Aufsätzen tauchte diese Vorstellung immer wieder auf. Alte Leute erzählen, dass sie dies auch in der Schule gelernt haben. In wissenschaftliche Arbeiten fand diese falsche Vorstellung allerdings nirgendwo Eingang.
Ausgangspunkt für die Deutung des Ortsnamens müssen zunächst die beiden ältesten bekannten Belege sein, die sich im Reichenbacher Schenkungsbuch finden (siehe Rubrik Ersterwähnung). Die beiden Formen "Uzzenhoufen" und "Ouzenhowen" erscheinen dabei nur auf den ersten Blick unterschiedlich. Denn trotz der abweichenden Schreibweise bleibt die Aussprache fast gleich. Da beide Einträge außerdem von unterschiedlicher Hand geschrieben sind, ist dies nicht besonders verwunderlich. Bekanntlich gab es im Mittelalter keine verbindliche Rechtschreibung. Zusätzlich sind nunmehr in diesem Zusammenhang auch drei weitere Belegstellen in gleicher Schreibweise einzubeziehen, die bisher nicht Zusenhofen zugeordnet wurden.
Der Ortsname gliedert sich in zwei Teile: Das Siedlungsnamengrundwort "-hofen" ist abgeleitet aus dem althochdeutschen bzw. mittelhochdeutschen Wort "hof", hier in der Bedeutung "Gehöft" oder Siedlung. Auch der erste Teil lässt sich problemlos deuten. Typisch für das Siedlungsnamengrundwort -hofen ist die Verbindung mit einem Personennamen. Eine solche Verbindung ist auch bei Ouzenhowen/Vzzenhoufen offensichtlich: Ouzen- bzw. Vzzen- lässt sich zwanglos auf den Personennamen Uzo zurückführen, der seinerseits als Kurzform von U(da)lrich erklärt werden kann. Somit wissen wir immerhin, dass in der Entstehungszeit von Zusenhofen ein Uzo als Namensgeber eine wichtige Rolle spielte. Der Vorname Uzo, der auch in der Gegenwart noch in der Form Uz bzw. Utz vorkommt, entwickelte sich aus dem altdeutschen Uodalrich (= Ulrich) und bedeutet sinngemäß "Herrscher im ererbten Besitztum". Besonders in Süddeutschland und der Schweiz war dieser Name im Mittelalter sehr beliebt.
Zum Schluß bleibt noch zu erklären, wie eigentlich das "Z" in den Namen "Uzzenhofen" geraten konnte. Im Mittelalter hatte das Wort "zu" bzw. "zuo" oder "ze" in Verbindung mit Ortsnamen eine wesentlich größere Bedeutung als heute. Man sagte: "Er wohnt z’Oberkirch" und noch Hebel dichtete: "Z’Friburg in der Stadt sufer isch’s und glatt". Weil echte Ortsnamen durch das Verhältniswort "zu" bestimmt werden, heißt es "Lautenbach" und nicht "Lauterbach", "Weil der Stadt" und nicht "Weil die Stadt" oder "Rothenburg" und nicht "Rotheburg". Im Fall von Zusenhofen ist das Verhältniswort "zu" mit dem Anlaut "U" verschmolzen, was gerade in dieser Verbindung besonders leicht ist. Wer versucht "Zu Uzzenhofen" oder "Z’Uzzenhofen" schnell auszusprechen, kann das selbst nachprüfen. Diese Verschmelzung ist keineswegs ungewöhnlich. Als weiteres Beispiel sei auf Zuffenhausen bei Stuttgart verwiesen, das früher Uffenhusen und Offenhusen hieß.
Zusammenfassend kann man also feststellen, dass die ortsübliche Deutung "Zu den Höfen" von der Wahrheit gar nicht so weit entfernt liegt. Sie braucht nur um den Namen "Uzo" ergänzt zu werden.
(Karl Ebert)