Die Linde in Zusenhofen, ein eingetragenes Naturdenkmal

Der Lindenbaum
Diese zu den schönsten und wertvollsten Bäumen im Ortenaukreis zählende Sommerlinde (Tilia platyphyllos) ist ca. 500 Jahre alt. Es handelt sich um eine freistehende, typische Dorflinde mit einem weitausladenden, selten schönen Kronenhabitus.
Der Stammumfang beträgt in Brusthöhe: 5,27 Meter
Die gesamte Baumhöhe: 27,00 Meter
Der Kronendurchmesser ca. 30,00 Meter
Die Linde wurde am 25.8.1943 unter Schutz gestellt. Sie ist unter der Nummer 160 in das Naturdenkmalbuch des Ortenaukreises eingetragen.
Mit Sicherheit blickt die Linde angesichts ihres stattlichen Alters auf eine sehr wechselvolle Geschichte zurück. Vieles hätte sie wohl zu erzählen, könnte sie es in Worte fassen, so aber tut sie es seit einigen Jahrhunderten in ihrer Sprache, einer Sprache des Windes und des bloßen Erscheinungsbildes.
Vielleicht bedarf es ja auch nicht immer der menschlichen Worte, um sich verständlich zu machen. Und vielleicht gelingt es ja auch in unserer hektischen Zeit dem einen oder anderen Betrachter, noch einen Moment innezuhalten und ein Stückchen der Botschaft dieses Baumes - durchmessend die Jahrhunderte - für sich zu entschlüsseln.
Schlaglichtartig seien hier einige Ereignisse aus dem Baumleben unseres Jahrhunderts teilweise nach Erlebnisberichten der Anwohner am Lindenplatz Franz Weinzierle und August Kranz aufgeführt:
1923 erzählte der ehemalige Bürgermeister von Zusenhofen, Andreas Schwarz, seinem Enkel August Kranz, daß er im Archiv der Gemeinde Unterlagen gefunden habe, in denen die Linde bereits im 30jährigen Krieg als "große Linde" bezeichnet wurde.
1936 wird der Baum von der Freiburger Forstdirektion vermessen. Eine Schätzung ergibt ein Alter von ca. 500 Jahren.
1943 erfolgte die eingangs erwähnte Eintragung als Naturdenkmal.
60er Jahre In den 60er Jahren wird der Baum von einem Blitz getroffen, was zu Rindenschäden am Stamm führt. Drei Frauen, die auf der damaligen Rundbank saßen, blieben jedoch unverletzt.
70er Jahre Anfang der 70er Jahre bricht ein Wirbelsturm einen mächtigen Ast aus der Krone, was heute noch als Stammöffnung in ca. 10 Meter Höhe zu sehen ist. Die Ausbruchstelle wird zunächst mit einer Betonplombe versehen.
Franz Weinzierle läßt sich eine Scheibe von diesem Ast absägen, schleift sie selbst und zählt mit Lupe und Nadel 285 Jahresringe.
1982 bemüht sich ein Baumchirurg um die Ausbruchstelle. Die Betonplombe wird entfernt und vier Gewindestangen als Querverstrebungen eingebaut. Zwischen den Hauptästen werden sieben Drahtseilverankerungen angebracht. Bei der Ausarbeitung der Morschung werden die fingerlangen Larven des Körnerblocks - einer vom Aussterben bedrohten Käferart - gefunden.
80er Jahre Seit Anfang der 80er Jahre zeigt der Baum, vor allem in sehr trockenen Sommern, einen starken Befall mit der Linden-Spinnmilbe. Dies führte zu einem vorzeitigen umfassenden Blattabfall. Zunächst versuchte man den Baum durch Spritzungen zu unterstützen, wovon man heute angesichts fortgeschrittener Umweltbelastungen Abstand nimmt.
1989/90 Die in diesen beiden Jahren durchgeführten Pflegemaßnahmen sollen den Baum über eine verbesserte Bodenstruktur langfristig in die Lage versetzen, mit einem gewissen Befall an Schadinsekten selbst fertig zu werden. Als Sofortmaßnahme wurden 200 Bohrlöcher (Tiefe ca. 50 cm) rasterartig im Kronentraufbereich eingebracht und mit einem Lava-Kompostgemisch verfüllt. Dmit sollen Verdichtungen, die aufgrund des ursprünglich um den Baum führenden Straßenkörpers noch vorhanden sind, beseitigt werden.
Das Wässern während der Trockenperioden (Verdunstungsleistung ca. 2000 Liter Wasser pro Tag) wird durch zwei ringförmig eingebaute Drainagerohre erleichtert. Von zentraler Bedeutung für die Baumgesundheit wird es jedoch sein, daß künftig das Laub im Herbst unter dem Baum bleiben darf und somit langfristig eine waldbodenartige Bodenstruktur erzielt werden kann. Die zunehmende Humusanreicherung im Oberboden soll schließlich im Lauf der Jahre ein Abhängen des Baumes vom "Bewässerungstropf ermöglichen, um ihn wieder sich selbst zu überlassen, dem Wetter und der Zeit, sofern es uns gelingt, auch die generellen Umweltprobleme in den Griff zu bekommen.
1992 werden 4 zusätzliche verletzungsfreie Gurtanker zur Absicherung der Stammlänge über der Straße eingebaut. Gleichzeitig wird zur Gewichtsentlastung der Krone der zu starke Mistelbesatz mit den krebsartigen Astauswüchsen reduziert. (Reduziert deshalb, weil auch die Laubholzmistel - Viscum album - unter Naturschutz steht.)
1993/94 In diesen beiden Jahren werden die überzähligen Misteln um die Weihnachtszeit entfernt und für einen guten Zweck - unter Federführung der Nachbarin Elisabeth Übel - verkauft.
Die durchgeführten Maßnahmen tragen hoffentlich dazu bei, die Linde in Zusenhofen - vielleicht für weitere Jahrhunderte - der Nachwelt zu erhalten.
Lindenbaum
Mit einer kleinen Feier wurde am 25.4.2014 der Platz am Wahrzeichen von Zusenhofen, dem Lindenbaum, eingeweiht. Am Tag des Baumes wurde eine neue Linde gepflanzt und die Sitzgruppe offiziell eingeweiht.
Lindenbaum       Lindenbaum